26 September 2016
Auf ein Neues
Irgendwie ist es mir über die Jahre abhanden gekommen, wirklich in meinem Blog aktiv zu sein - statt dessen bin ich fast jeden Tag in den sozialen Netzwerken aktiv gewesen. In meiner Facebook-Timeline steht soviel Zeugs, was hier viel besser aufgehoben gewesen wäre.
Naja, sei es drum. Ich habe mir vorgenommen, hier jetzt wieder aktiver zu sein. Und meine kleinen Meinungssnippets eher hier loszuwerden.
Mal sehen, ob das klappt.
29 Januar 2012
Die besten Platten 2011
1. MACHINE HEAD Unto The Locust
2. LONG DISTANCE CALLING Long Distance Calling
3. RUSH Time Machine 2011: Live in Cleveland
4. MASTODON The Hunter
5. AMORPHIS The Beginning Of Times
6. BLOOD CEREMONY Living With The Ancients
7. ORPHANED LAND The Road To OR-Shalem: Live in Tel Aviv
8. AMON AMARTH Surtur Rising
9. MISERY INDEX Pulling Out The Nails
10. AMPLIFIER Octopus
Diese Liste ließe sich tatsächlich noch fortsetzen, denn das letzte Jahr war ein gutes Jahr für den Metal/Rock-Bereich. Einen Haufen Müll gab es natürlich auch, der einem so untergekommen ist. Hier weiß ich dann auch gar nicht, was schlimmer ist: das satanistisch-hirnverbrannte Seventies-Hardrock-Gedudel von THE DEVIL'S BLOOD, oder der pseudo-intellektuelle Krach, den METALLICA und LOU REED zusammen verbrochen haben... absolut verzichtbar ist beides.
In diesem Sinne verspreche ich Besserung für das Jahr 2012, hier wieder mal mehr zu posten. Echt.
02 Dezember 2011
NOVA 18 erschienen
Näheres zum Inhalt unseres formidablen Magazins gibt es wie immer auf der NOVA-Website, bestellen könnt ihr es unstressig über den NOVA-Webshop.
01 Januar 2011
NOVA 17 erschienen
Ich kann NOVA 17 nur allen Freunden der Science Fiction-Kurzgeschichte wärmstens ans Herz legen.
Enthalten sind:
Arno Behrend “Blitzlichtgewitter”
Frank Hebben “Das Lichtwerk”
Florian Heller “Der Folterknecht”
Michael K. Iwoleit “Die Schwelle”
Sven Klöpping “Gothic Lovers”
Uwe Post “Bikepunks”
Gero Reimann “Was denn noch?”
Ralf Wolfstädter “Schädlingsbekämpfer”
Gastory: Aleksandar Ziljak (Kroatien) “Ultramarine!”
Artikel:
Volker Wittmann über die Suche nach außerirdischer Dummheit
Helmuth W. Mommers mit seinem Rückblick auf die deutsche SF-Storyszene 2009
Franz Rottensteiner mit einem Nachruf auf William Tenn
29 Oktober 2010
Vampire in Ground Zero: DIE SAAT von Guilermo del Toro und Chuck Hogan
DIE SAAT (O:„The Strain“)
528 Seiten, Heyne Verlag
ISBN-10: 3453435184
ISBN-13: 978-3453435186
06 Oktober 2010
Zwei erwähnenswerte Platten
Anfangen möchte ich zuerstmal mit der neuen IRON MAIDEN, die auf den schönen (weil SF-mäßigen) Namen "The Final Frontier" hört.
Maiden haben in den vergangenen 15 Jahren eine gewaltige Durststrecke durchmachen müssen; Besetzungswechsel und mittelprächtige Alben galt es zu verkraften. Nach dem nun seit drei Alben wieder die mehr oder weniger alte Formation zusammen ist, hat man scheinbar auch kompositorisch zu alten Qualitäten zurück gefunden."The Final Frontier" beginnt mit dem recht anstrengenden und viel zu langen Intro "Satellite 15", das dann schließlich ins ziemlich gute Titelstück mündet. Hier wäre meiner Meinung nach - wie man so schön sagt - weniger mehr gewesen. Mehr als ärgerlich ist die Tatsache, dass man noch nicht mal zum eigentlichen Song "The Final Frontier" vorskippen kann, weil es als ein Song auf CD gebannt ist.
Gleich als zweiter Song folgt dann zwar die höchst unterirdische Single-Auskopplung "El Dorado", ein ziemlich tumbes Hardrock-Liedchen ohne grösseren Wiedererkennungswert, trotzdem startet die Band danach richtig durch: Songs wie "Mother Of Mercy", "The Isle Of Avalon" oder "The Alchemist", aber auch das grandiose "Starblind" und "The Talisman" sind hervorragende Kompositionen, die es schaffen die Qualität und Atmosphäre der Maiden-Platten der 80er Jahre zu transportieren.
Es ist gute Tradition, das Iron Maiden ihre Alben mit einem langen, epischen Stück abschließen und so ist wohl auch der Rausschmeißer auf "The Final Frontier" gedacht. Aber "When The Wild Wind Blows" ist reichlich progressiv und mit einiges an "Reinhör-Arbeit" verbunden. Der Song zündet erst wirklich nach dem zehnten Hören oder so, erstrahlt dann zwar wirklich als ein musikalisches Juwel, muss aber wohl unter dem Prädikat "mutig" eingestuft werden.
Insgesamt ist "The Final Frontier" das stärkste Maiden-Album seit Jahren und ich bin ziemlich begeistert, dass diese Riege der alten Herren ihr Talent dann doch noch nicht verlernt hat. Alle typischen Trademarks der Band sind in den Songs enthalten, die Gesangsleistung von Sänger Bruce Dickinson ist fantastisch und die Leads von Gitarrist Adrian Smith sind zum niederknien. Von den Wehmutstropfen "Satellite 15" und "El Dorado" abgesehen eine rundum gelungene Platte.
Das zweite herausragende Album kommt von der dänischen Band VOLBEAT. Ich war ehrlich gesagt vorher ziemlich skeptisch, ob mir "Beyond Hell/Above Heaven" wirklich gefällt. Das Vorgängeralbum ("Guitar Gangsters And Cadillac Blood") erschien mir nämlich ziemlich glatt und uninspiriert.
Doch ich bin sehr-sehr angenehm überrascht worden. Zugegebenermaßen, wenn man alte LP-Maßstäbe ansetzt, ist die B-Seite (also die zweite Hälfte des Albums) deutlich stärker als die A-Seite. Die Platte startet mit einem sehr Volbeat-typischen, extrem nach vorne gehenden Rockabilly-Metal-Bastard namens "The Mirror And The Ripper". Das mit Country-Einschlag versehene "Fallen" braucht schon zwei oder drei Durchläufe, geht dann aber ziemlich unter Haut. "Heaven Nor Hell" und "A Better Believer" sind okay, aber Durchschnitt. Tiefpunkt (und letztlich das einzige Ärgernis der Scheibe) ist "Who They Are", einem mäßigen Metallica/Slayer-Ripoff, das nun wirklich keiner gebraucht hätte.Aber kommen wir zur zweiten Hälfte der Scheibe, und da wird es richtig geil: "7 Shots" glänzt mit purer Energie und einer hervorragenden Gesangsleistung von Michael Poulsen (und einem Gastauftritt von Kreator-Sänger Mille, der für den Song zwei Passagen eingeknurrt hat), das folgende "A New Day" mit seinen Schrammelgitarren und Singalongs dürfte bei zukünftigen Konzerten ein ziemlicher Burner werden und mit "16 Dollars" wird die Synthese aus 50's-Rock und Metal geradezu perfektioniert. Mit "The Warrior's Call" und "Magic Zone" wird weiter extrem Dampf gemacht, bevor man bei "Evelyn" von runtergestimmten Gitarren und Gastsänger Mark Greenway (seines Zeichens Obergrunzer der göttlichen Napalm Death) eine extrem wüste, aber nichts desto trotz geile Mischung aus Rockabilly und Death Metal um die Ohren gehauen kriegt. Die abschließenden Tracks "Being 1" und "Thanks" überzeugen dann durch einen spaßigen Punk-Einschlag und lassen auf die nächsten Konzerte hoffen. Gerade "Thanks" wäre ideal als Abschluss eines Auftritts geeignet.
Mit "Beyond Hell/Above Heaven" haben sich Volbeat definitiv in die Oberliga des Metals katapultiert, ihren eigenen Stil weiter gefestigt und entwickelt, sowie sich von der Stagnation des Vorgängeralbums frei geschwommen. Die Scheibe macht extrem Spaß und ich kann sie jedem ans Herz legen, der es musikalisch ein wenig flotter mag.
Kleine Randnotiz noch: Die Deluxe-Edition im Digipack enthält neben der regulären CD noch eine DVD mit einem ziemlich coolen Live-Auftritt in Tilburg. Lohnt sich!
26 März 2010
NOVA 16
Kurzgeschichten:
Rüdiger Bartsch - Der Gebäude-Komplex
Nadine Boos - Die Itzybitzy-Spinne
Florian Heller - DÖRA
Reinhard Kleindl - Form und Stoff & Der Zwiebelkuchen
Niklas Peinecke - Himmelfahrt
Horst Pukallus - Placebo
Karla Schmidt - Der Ende der Schöpfung
Thomas Wawerka - Genesis: 2
Fitz-James O’Brien - Das Vergrößerungsglas (SF-Klassiker in Neuübersetzung)
Artikel von Holger Eckhardt über Warren Ellis und Chuck Palahniuk, sowie Michael K. Iwoleit über J.G. Ballard.
Mit Illustrationen von Markus Bülow, Tim Eckhorst, Christian Edler, Thomas Hoffman, Christoph Jaszczuk, Stas Rosin, Magdalena Rybak, Gabriele Scharf, Philip Schaufelberger und Klaus G. Schimanski. Das Titelbild stammt von Carsten Dörr.
Näheres zur neuen Ausgabe unter nova-sf.de
25 März 2010
Drei richtig gute Platten
Fangen wir mit der ältesten neuen Platte an: Slayer - World Painted Blood. Slayer sind für mich schon immer eine der kompromißlosesten Thrash-Bands gewesen, die sich über die Jahre konsequent weiterentwickelt, aber niemals ihre Trademarks verloren haben. Inzwischen allesamt alte, gesetzte Männer (jaja, man ist ja selbst nicht mehr der Jüngste), schaffen sie es mit World Painted Blood trotzdem, die Pforten der Hölle aufzustossen und technisch präzise und druckvoll einen Hit nach dem nächsten aus der Hüfte zu schiessen. Anspieltipps sind vor allem das intensiv-eindringliche "Beauty Through Order", das herrlich old-schoolige, an selige "Reign In Blood"-Zeiten erinnernde "Psychopathy Red", der stampfende Mosher "Americon" und das sich zu völligem Wahnsinn steigernde "Not Of This God".
Durch meine Lieblingspostille RockHard bin ich auf Guerilla aufmerksam geworden, eine Kölner Thrash-Band, die mit ihrer selbstproduzierten CD Kickstart Revolution immerhin völlig zu recht zum "Demo des Monats" gekührt wurde. Kickstart Revolution kann man sich auf der Band-Homepage www.guerrilla-metal.com entweder kostenlos herunterladen oder direkt via Mail als Limited Edition (Steelcover, 1 Bonustrack, 1 Aufkleber) für 10 Euronen bestellen. Guerilla spielen eine ziemlich geile, stimmige Mischung aus alten Pantera und neuerem Göteborg-Zeug a la Soilwork oder In Flames. Bitte mal antesten, die Jungs haben echt was drauf und ich wünsche ihnen, dass sie bald nen Plattenvertrag ergattern - verdient hätten sie es.Zu guter letzt noch der Hinweis auf die jüngst erschienene neue Scheibe von Fear Factory: Mechanize ist mit Abstand der räudigste Batzen in Musik gegossene
Wut, den ich in den letzten Jahren gehört habe. Vom ersten Mal Anhören an (und das ist bei mir selten) hat mich diese Platte derart gefangen genommen, dass ich seit Wochen nichts anderes mehr höre. Fear Factorys Markenzeichen waren ja schon immer die Verbindung von Ambient-Loops und Samples mit der Brutalität und Intensität amerikanischen Hochgeschwindigkeits-Death Metals. Allerdings hatten sie in den letzten Jahren (sicherlich geschuldet durch diverse Besetzungsquerelen in der Band) eher durchschnittliche Alben am Start und haben nie wieder die Relevanz der beiden Frühwerke "Demanufacture" und "Obsolete" erreicht - bis jetzt! Der Titeltrack und CD-Opener "Mechanize" hat den Charakter einer akustischen Dampframme, die einem im wahrsten Sinne des Wortes die Scheiße aus dem Kopf prügelt und einen völlig hilf- und willenlos dem orgiastischen Klang-Tsunami ausliefert, der dann folgt. Es gibt Musiker, die würden dafür töten, nur einmal in ihrem Leben einen Song zu schreiben, der die Qualität und Intensität von Tracks wie "Powershifter", "Christploitation" oder "Final Exit" besitzt. Das ist definitiv die Platte des Jahres und damit ein Pflichtkauf!
07 September 2009
Ein interessantes Projekt
Ich finde das deshalb interessant, weil man bei einigen tatsächlich eine Verbindung zwischen dem Schreibstil und dem Zustand ihrer Arbeitsumgebung herstellen kann. Und weil mich an der ganzen Geschichte eines beruhigt: bei den meisten sieht es ähnlich chaotisch aus wie bei mir ;-)
Links:
Where I Write
Kyle Cassidy
12 August 2009
Vampire gehen mir auf die Eier
Derzeit ist wieder ein ähnlicher Trend in einer anderen Sparte der Phantastik zu beobachten. Dank der geradezu hirnverknotend reaktionär-konservativen Twilight-Romane der amerikanischen Supermormonin Stephanie Meyer und der daraus resultierenden Teenie-Verfilmung "Bis(s) zum Morgengrauen" wimmelt es in den Buchhandlungen momentan von allen möglichen Spielarten der Vampir-Thematik.
Bei meinem jüngsten Besuch in einer einschlägigen Buchhandlung fand ich mich plötzlich in einem Mob hysterischer Emo- und Pseudogothik-Girls wieder, die um die Regale der Horror-Ecke wuselten wie ein wildgewordener Ameisenhaufen. In Ruhe nach ein paar Neuerscheinungen fahnden war da natürlich Essig.
Nun bin ich nicht in aller erster Linie der klassische Grusel- oder Horror-Leser, allerdings gibt es auch in diesem Genre durchaus lesenswertes. Wenn wir die sozialkritisch ambitionierten Klassiker (Shelley, Poe usw.) mal rauslassen, komme ich mit Anne Rice, Dean Koontz, Peter Straub, Clive Barker, Dan Simmons und Brian Lumley immer noch auf eine Handvoll mehr als beachtungswürdiger Horror-Autoren der Gegenwart.
Dass aber Vampire gerade en vogue sind und man diesem Scheiß nirgendwo entkommt, geht mir gehörig auf die Eier. Ich will meine ruhige literarische Nische wiederhaben!
07 August 2009
NOVA 15 erschienen
Dieser Tage ist NOVA 15 erschienen. Das Science Fiction-Kurzgeschichtenmagazin, bei dem ich in den letzten Jahren auch als Mit-Herausgeber tätig war (jetzt "nur" noch als Layouter und Mädchen-für-alles), bietet auf 180 Seiten wie gewohnt einen Haufen guter SF-Geschichten von namhaften Autoren und diversen Newcomern, sowie einige interessante Artikel und Interviews. Ich kann es jedem nur ans Herz legen ;-)
Näheres zu NOVA 15 gibt es auf der NOVA-Homepage:
NOVA-Magazin
26 Juli 2009
Hölle, Tod und Dosenbier
Natürlich ist das kulturelle Angebot in unserer schönen Gemeinde hauptsächlich auf die Kurgäste ausgerichtet (also 50+). Da gibt es die "Bad Zwestener Meisterkonzerte" (verschiedene Klassik-Ensembles) und auch das alljährliche Lichterfest im Kurpark, wo dann ohrenkrebsverursachende Alleinunterhalter Schlager und Volksmusik zum besten geben - man kennt sowas ja.
Immerhin - und da ragt Bad Zwesten in der hiesigen Region tatsächlich heraus - gibt es bei uns einen sehr grossen und auch sehr aktiven Motorrad-Club, den MC GoGetters, die nicht nur eine sehr schöne Kneipe/Vereinsheim betreiben, sondern auch schon bei vielen Gelegenheiten im Ort gezeigt haben, dass ihnen an unserer Gemeinde was liegt und diese Rocker in ihrer schwarzen Lederkluft auch gar nicht so böse sind, wie man gemeinhin denkt.
Dieser Motorrad-Club hatte vor einiger Zeit dann eine Idee: man könnte doch mal ein steiles Open-Air-Rock-Konzert in unserem beschaulichen Örtchen veranstalten. Man trug die Idee bei Gemeinde und Bürgermeister vor, man einigte sich überraschend problemlos auf einen gescheiten Rahmen und ein Veranstaltungsgelände, engagierte zwei Bands und eigentlich hätten alle glücklich sein können. Eigentlich.
Es begab sich dann nämlich ein paar Wochen vor diesem Konzert, dass den Verantwortlichen ein Brief der beiden ortsansässigen Allgemeinmediziner zuging, in denen diese den Veranstaltern vorwarfen, dass das geplante Rock-Konzert nicht nur rufschädigend für unsere Gemeinde wäre (!), sondern außerdem durch die "Lärmbelastung" zwangsläufig zum Verlust des Heilbäder-Status führe (!!) und desweiteren - ebenfalls durch die enorme "Lärmbelastung" - zu Bluthochdruck und Todesfällen in der älteren Bevölkerung führen könne (!!!).
Mal abgesehen davon, dass ich mich frage, warum man in einer Paartausendseelengemeinde unbedingt Briefe schreiben muss, statt sich einfach mal persönlich miteinander auseinander zu setzen, konnte und kann ich nach wie vor diesen Schwachsinn gar nicht glauben.
Natürlich führte das Ganze dann in der lokalen Presse zu einer schönen (und teilweise immer skurriler werdenden) Berichterstattung, der dann schließlich in einem weiteren Brief der Kurärzte gipfelte, in dem sie dann unter anderem darauf verwiesen, dass die für diesen Abend gebuchten Bands ja unter anderem auch Songs von AC/DC spielten und sie (also die Ärzte) sich verpflichtet fühlten, eben nicht dem Weg von "Hölle, Tod und Dosenbier" (O-Ton) zu folgen.
Mal abgesehen davon, dass dieser ganze Klamauk eine gute PR für das Konzert war (und "Hölle, Tod und Dosenbier" ein richtig guter Slogan ist, hihi), ist es für mich wenig verständlich, wie man sich im 21.Jahrhundert noch derart spießbürgerlich entblöden kann.
Achja: das Konzert fand übrigens trotz aller Widrigkeiten unter dem Motto/Titel "Bad Zwesten rockt" vorgestern abend statt. Es war ein geiles Veranstaltungsgelände (direkt am Kurpark, mitten im Ort), die Organisation war super, es gab leckeres Bier zu korrekten Preisen und zwei gute Bands (Forroxx und Seven Hell), die mit einem Heidenspaß immerhin fast fünf Stunden lang richtig geil gerockt haben.
Todesfälle gab es übrigens nicht, weder in der älteren Bevölkerung, noch bei den älteren Herrschaften die im Publikum vorhanden waren - und ein Tor zur Hölle hat sich auch nicht aufgetan. Ich hoffe sehr, dass diese mehr als gelungene Veranstaltung nächstes Jahr eine Fortsetzung erfährt.
Links:
badzwestenrockt.de
MC GoGetters
Seven Hell
Forroxx
23 Juli 2009
Meine Site ist umgezogen
Man muß das Rad ja nicht neu erfinden. oghilscher.net lief mit Wordpress, was an sich eine feine Sache war - aber die Aktualisierungen der Skripts haben immer eine Menge Zeit in Anspruch genommen, so dass ich dann schon gar keinen Bock mehr hatte, wirklich was zu posten. Jetzt muß ich mich nur noch um die Inhalte kümmern, da freu ich mich richtig drauf.
22 Juli 2009
2500 Bände Perry Rhodan
Irgendwann, ich muß ungefähr 5 Jahre alt gewesen sein, habe ich im Bücherschrank meiner Mama einige Regale voll mit kleinen dünnen Heften gefunden, die ganz tolle Titelbilder hatten: da waren Raumschiffe, Astronauten, ein immer wieder auftauchendes lustig aussehendes Pelztierchen, drei-äugige schwarze Monster mit vier Armen und halt jede Menge Weltraum. Ich konnte natürlich noch kein Wort lesen, aber sowieso angefixt von einer Fernsehserie namens Captain Future, machten die Cover dieser Heftserie echt mächtig Eindruck auf mich und ich verbrachte so manches Wochenende damit, Heft für Heft aus dem Regal zu nehmen und stundenlang die tollen Titelbilder zu betrachten.Diese Titelbilder waren allesamt von einem Künstler namens Johnny Bruck und die Heftserie hatte den Namen Perry Rhodan - Der Erbe des Universums.
Als ich schließlich 10 Jahre alt wurde, durfte ich die Teile dann auch endlich mit dem Segen meiner Mutter lesen. Ich glaube, meine Mama dachte damals, "das versteht der Junge eh noch nicht, das gibt sich wieder", tatsächlich las ich aber in den nächsten zwei oder drei Jahren die kompletten drei Regale (die Bände 1 - 850 waren das) durch und tauchte in ein sagenhaftes Universum ein.
Perry Rhodan, amerikanischer Astronaut und erster Mensch auf dem Mond (Pech gehabt, Herr Armstrong, aber 1961 hat noch keiner an sie gedacht), trifft in Band 1 bei seiner Mondlandung auf eine notgelandetes Raumschiff einer außerirdischen Rasse, reißt sich nach einigen Verwirrungen deren überlegene Technik unter den Nagel und verhindert damit dann mal gleich den auf der Erde drohenden Atomkrieg. Das klingt ziemlich pulpig, ist es nicht nur aus heutiger Sicht wahrscheinlich auch, aber als Zehnjähriger fährt man auf solche Lichtgestalten voll ab.
Tatsächlich wandte sich die Perry Rhodan-Serie aber ziemlich bald auch neuen Ufern zu: aus den ursprünglich geplanten 25 Heften wurden erst 50, dann 100, und schließlich immer mehr. Inhaltlich eint Rhodan darin die Erde zu einem Staatsgebilde, erkundet das gesamte Sonnensystem, setzt sich gegen außerirdische Invasoren zur Wehr, schafft schließlich auch den Sprung in ein anderes Sonnensystem und dringt immer weiter in die Galaxis vor. Ohne die ganze Perry-Serie nacherzählen zu wollen (da hätte ich auch was zu tun), durchzieht vor allem ein Thema alle Romane - die Freude am Neuen und Unentdeckten, den Aufbruch einer geeinten Menschheit zu den Sternen und ein Blick in eine Zukunft, die mir damals durchaus (er)lebenswert schien.
Mit dem Roman Nummer 1400 stieg ich schließlich Mitte der achtziger Jahre in die Erstauflage bei Perry Rhodan ein und lese seit dem Woche für Woche mit (naja, irgendwann bin ich dazu übergegangen, immer so zwanzig-dreißig Hefte anzusammeln und die en-bloc zu lesen).
Dieser Tage erschien nun der zweitausendfünfhundertste Band der Perry Rhodan-Serie. Ein Jubiläum (immerhin achtundvierzig Jahre kontinuierliches Erscheinen!), das man als solches durchaus würdigen kann und sollte, was es aber insgesamt auch sehr kritisch zu hinterfragen gilt.
Als die Perry Rhodan-Serie gestartet wurde, war mit Walter Ernsting, Karl-Herbert Scheer und kurze Zeit später auch mit Kurt Mahr und Hans Kneifel eine Riege an Autoren für die Romane verantwortlich, die neben aller Fantasie und SF-typischer Technikverliebtheit auch nie das große Ganze (ich nenne es mal pathetisch "die Vision") aus den Augen verlor und die Handlung in eine spannende Geschichte verpackte.
Leider hat der Zahn der Zeit auch bei Perry Rhodan genagt - im Laufe der Zeit kamen immer wieder neue Autoren hinzu (was per se ja nicht schlecht ist) und alte Autoren verließen das Team, nicht zuletzt, weil sie einfach verstarben. Die Perry-Erfinder Scheer und Ernsting sind längst tot, und auch von mir die als essentiell für die Serie angesehenen Autoren wie Kurt Mahr, Peter Griese, Thomas Ziegler oder der langjährig federführende Rhodan-Visionär Willi Voltz starben.
Mit dem Wegfall dieser Alt-Autoren, aber auch mit dem geänderten Konsumverhalten der Leser, ging natürlich zwangsläufig im Laufe der Jahre eine inhaltliche Umstrukturierung einher - und meines Erachtens blieb dabei leider "die große Vision" auf der Strecke.
Wo früher der Mensch und sein Platz im Kosmos im Mittelpunkt stand, dominieren jetzt Superintelligenzen und andere nicht mehr nachvollziehbare "hohe Wesenheiten" das Geschehen. Wo früher die Menschlichkeit und der Wille zu einem friedlichen Nebeneinander regierte, werden in der aktuellen Handlung in Nebensätzen Millionen von Lebewesen ausradiert. Niemand soll mich für einen weltfremden Pazifisten halten (naja, ein bissel bin ich das wahrscheinlich schon), ich mag schon die eine oder andere "ordentliche" Raumschlacht. Aber bitte mit Maß.
Viele große Ideen - z.B. auch die "höhren Wesenheiten" wie Kosmokraten und Chaotarchen oder Superintelligenzen oder die drei Ultimaten Fragen u.ä. - stammen tatsächlich noch von den Ur-Autoren wie Willi Voltz. Ich hatte aber nie das Gefühl, dass diese Ideen jemals dafür gedacht waren, wirklich handlungstragend zu sein. Sie boten den oft zitierten Sense-of-Wonder, der für die Science Fiction so essentiell ist - aber eben dieser Sense-of-Wonder geht auch verloren, wenn man alles bis zum Letzten in der Handlung auslutscht und geradezu inflationär einsetzt. Die Handlung stagniert bei Perry Rhodan seit etlichen hundert Bänden, Ideenlosigkeit herrscht vor: zu Beginn taucht ein ultra-böser und ultra-überlegener Gegner auf, metzelt ohne Sinn und Verstand vor sich hin, bis unser Perry natürlich den am Ende zwar immer noch unbelehrbaren und ultra-bösen, dann aber ziemlich schwachbrüstig daher kommenden Gegner aus dem Weg putzt (zuletzt in Band 2499, wo mal eben eine 70 Millionen Jahre alte Superintelligenz von Herrn Rhodan persönlich umgenietet und abgefrühstückt wird).
Zur inhaltlichen Tristesse gesellt sich meines Erachtens allerdings in Person von einigen bestimmten neuen Autoren auch noch eine rein schriftstellerische Inkompetenz. Nun war Perry Rhodan sicherlich noch nie Hochliteratur, da muß man sich nichts vormachen. Allerdings bilde ich mir ein, bei Perry Rhodan früher auch sprachlich durchaus etwas mehr geboten bekommen zu haben, als die durchschnittliche Helmut-Rellergerd-Schreibe (straight from Neandertal), die z.B. in einer Heftchenserie wie John Sinclair vorherrscht.
Neuere Perry-Teamautoren wie z.B. Leo Lukas (der zwanghaft versucht witzig zu sein, was regelmässig in die Hose geht), Rainer Castor (sicherlich eine wandelnde Datenbank in punkto Rhodan-Wissen - leider lesen sich auch seine Romane wie ein Lexikon-Eintrag), Uwe Anton (die Hälfte jedes Romans besteht aus emotionalem Geschwurbel) und noch einige die ich mir jetzt spare mehr, verstehen es einfach nicht, spannende Unterhaltungsliteratur zu schreiben.
Ich würde mir wünschen, dass ab Band 2500 bei Perry Rhodan ein neuer Weg eingeschlagen wird - aber nach der Lektüre befürchte ich, dass dem nicht so sein wird. Der nächste Bösewicht kam schon an, das erste Gros an Menschen ist verheizt (O-Ton "Soldaten kann man ersetzen" - Das hätte MEIN Perry niemals gesagt!) und selbst die Superintelligenz ES, seit Anbeginn der Serie ein Mentor der Menschheit, sagt, dass er nicht in Perry Rhodans Haut stecken möchte. Tatsächlich gehts mir ganz genauso.
22 April 2009
Witzige Google-Ads
Irgendwann habe ich hier auf jeden Fall meine Rezension der "Stadl-Post" gepostet. Jüngst ist mir da was witziges aufgefallen: Da Google den Inhalt der Ads mit dem Inhalt der Seite abgleicht, tauchen in den Ads jetzt immer wieder tolle Anzeigen zum Thema Volksmusik auf. Das ist ein Knüller!
Da ich im Umkehrschluss demzufolge wahrscheinlich auch bei den Ads auf irgendwelchen Volksmusik-Sites auftauche, würde ich mir wünschen, dass der eine oder andere Fan der Wildecker Herzbuben (oder so) vielleicht seine Irritation in einen Kommentar fasst und hier postet. Witzig wäre das auf jeden Fall, hihi.
06 November 2008
Die Jahre der Aliens (Robert Silverberg)
Robert Silverberg ist einer der großen Alt-Meister der amerikanischen Science Fiction. Er wurde 1935 in New York geboren und schon mit neunzehn Jahren veröffentlichte er seine erste Kurzgeschichte im britischen Pulp-Magazin Nebula SF. Er studierte Vergleichende Literaturwissenschaften und arbeitete ab 1955 hauptberuflich als Autor. Nach zwei längeren Schaffenskrisen Anfang der Sechziger und Ende der Siebziger Jahre, kehrte er 1980 als Schriftsteller zurück und schrieb seit dem über ein dutzend viel beachteter Romane. Silverberg gewann mehrfach sowohl den Nebula-, als auch den Locus- und den HUGO-Award.
„Die Jahre der Aliens“ beginnen mit dem urplötzlichen Erscheinen außerirdischer Raumschiffe, die ohne ein erkennbares Muster überall auf der Erde landen. Zuerst ignorieren sie die Menschheit völlig und entwickeln undurchschaubare Aktivitäten, dann schalten die Aliens auf der gesamten Welt den Strom ab und versetzen den Planeten dadurch technologisch ins Mittelalter. Ohne nur einmal mit der Menschheit in einen direkten Kontakt getreten zu sein, haben die einfach Wesen genannten Aliens binnen Tagen jegliche Gegenwehr gebrochen und die Erde erobert. Mit Hilfe von menschlichen Kollaborateuren, gefügig gemacht durch den so genannten „Druck“, durch den die telepathisch begabten Aliens die Menschen suggestiv beeinflussen, bauen die Außerirdischen ein umfassendes System der Unterdrückung auf.
Angeführt vom alten Vietnamveteran Oberst Anson Carmichael, verschanzt sich die gesamte Carmichael-Familie auf ihrer Ranch in den Bergen von Kalifornien und versucht von dort aus den Widerstand gegen die übermächtig wirkenden Wesen zu organisieren. Der Kampf gegen die außerirdischen Invasoren wird von Generation zu Generation weiter geführt, doch den Wesen scheint mit keinem irdischen Mittel beizukommen zu sein...
In „Die Jahre der Aliens“ flossen die Kurznovellen „Beauty in the night“, „On the Inside“ und „The colonel in autumn“ ein, die Silverberg in den Jahren 1997 und 1998 im Magazin Science Fiction Age veröffentlichte. Mit diesem Roman scheint er auf den ersten Blick eine weitere Aliens-erobern-die-Welt-Story geschrieben haben, ein Thema, das für die Science Fiction-Leserschaft eigentlich spätestens nach Wells „Krieg der Welten“ abgefrühstückt sein sollte. Oder doch nicht?
„Die Jahre der Aliens“ erstrecken sich über ein halbes Jahrhundert, in denen unser Heimatplanet den extraterrestrischen Eroberern ausgeliefert ist. Der Widerstand erwächst über die Jahre in nur einem Bruchteil der Menschen, während der Großteil der Erdbevölkerung sich nach globalem Stromausfall und künstlichen Alien-Seuchen in sein Schicksal ergibt und die Wesen als ihre neuen Herren akzeptiert.
Silverberg geht bei „Die Jahre der Aliens“ relativ geschickt vor und vermeidet die Fehler, die seine Schriftstellerkollegen in den üblichen Plots über eine Alien-Invasion gemacht haben. Er braucht keine Riesenraumschiffe, die amerikanische Städte verwüsten, keine Klischee-Helden, die das Alien-Problem binnen kürzester Zeit durch ihren Wagemut lösen oder einen bemühten Kniff mit dem Brecheisen, um die Handlung zu einem Ende zu führen. Vielmehr legt Silverberg sein Augenmerk auf die Situation der Menschen an sich, ihre Gefühle, ihre Beziehungen untereinander und wie sie sich in dieser völlig veränderten Welt entwickeln.
Vor den Augen des Lesers entsteht eine neue, in letzter Konsequenz leider vorstellbare Sklaven-Gesellschaft, die dominiert wird vom Kampf ums Überleben und der Wahl zwischen Kollaboration mit den neuen Herren oder der Verschickung in ein Arbeitslager. Trotz seines flüssigen, gut lesbaren Stils schafft Silverberg es, eine geradezu bedrückende Atmosphäre aufzubauen.
Seine Außerirdischen indes bleiben bis zum Ende des Romans unnahbar in ihren Handlungen und ihrer Denkweise, stehen technologisch auf einem unfassbar hohen Niveau und wirken dadurch sowohl für den Leser, als auch für die Protagonisten des Romans nicht greifbar und völlig entrückt. Das ist auch gut so, da sie lediglich das Gerüst des Szenarios bilden, in dem sich die viel weiter gefasste Handlung bewegt. Wäre Silverberg hier nicht konsequent gewesen, hätte die Wesen womöglich vermenschlicht und in die direkte Handlung mit einbezogen, hätte der Roman vermutlich leicht ins lächerliche kippen können.
„Die Jahre der Aliens“ ist ein rasant geschriebenes Gedankenspiel mit einer zugegebenermaßen uralten Idee der Science Fiction. Der Roman besticht durch den Tiefgang seiner Charaktere und kann jedem Science Fiction-Leser uneingeschränkt empfohlen werden.
Robert Silverberg „Die Jahre der Aliens“
Originaltitel „The Alien Years“
Übersetzung von Walter Brumm
Heyne Verlag, München, 2000
Paperback, 594 Seiten
ISBN 3-453-17101-2, Euro 9,80
05 November 2008
Die Krieger der Stille (Pierre Bordage)
Pierre Bordage, Jahrgang 1955, gilt als einer der erfolgreichsten SF-Schriftsteller Frankreichs und übertrifft in seinem Heimatland mit den Verkaufszahlen regelmäßig seine Genrekollegen aus dem angloamerikanischen Sprachraum. Nachdem der Heyne-Verlag den Erscheinungstermin mehrfach verschob, hatte nun endlich auch die deutsche Leserschaft Gelegenheit, sich einen Eindruck von Bordages Können zu verschaffen. „Die Krieger der Stille“ ist der erste Band einer gleichnamigen Trilogie, die mit den beiden Bänden „Terra Mater“ und „Die Zitadelle der Hyponeros“ in Frankreich bereits abgeschlossen wurde. Beide Bände erscheinen im nächsten Jahr ebenfalls bei Heyne.
Wir befinden uns etwa vier- bis fünftausend Jahre in der Zukunft. Ein großer Teil der Galaxis ist in der Naflinischen Konföderation zusammengeschlossen, einem Bund prinzipiell unabhängiger, sonnensystemgroßer Staaten, deren Herrscher sich alle paar Jahre treffen um die Entscheidungen für die Konföderation als ganzes zu treffen. Auf Syracuse, einer der Hauptwelten der Konföderation, haben jedoch die so genannten Scaythen die Herrscherfamilie unterwandert und streben zusammen mit der fanatischen „Kirche des Kreuzes“ die Zerschlagung der Konföderation und die komplette Machtübernahme im von Menschen besiedelten Weltraum an. Dem entgegen stehen eigentlich nur die „Krieger der Stille“, einem Ritterorden, der vor langer Zeit gegründet wurde, um das Sternenreich gegen Bedrohungen von außen zu beschützen. Doch der Orden ist von inneren Machtkämpfen zerrissen und unterliegt schließlich den mittels Gedankenkraft tötenden Scaythen.
In diesen Konflikt gerät der junge Tixu Oty, der ein Reisebüro auf einem Hinterwäldlerplaneten führt, als er der Tochter eines hochrangigen Kriegers zur Flucht vor den sie jagenden Scaythen verhilft.
Beworben im Klappentext mit einer Aussage von Andreas Eschbach über „eine epische Wucht, die ihresgleichen sucht“ und einem Vergleich mit Frank Herberts DUNE, hat man dem Roman keinen Gefallen getan. Damit wird beim Käufer nämlich eine Erwartung geschürt, die der Roman einfach nicht bedienen kann. „Die Krieger der Stille“ einzuordnen, fällt während der ersten paar hundert Seiten sowieso ziemlich schwer.
Eine der größten Stärken des Romans ist bestimmt das farbenfrohe Universum, das der Autor Pierre Bordage vor dem Leser ausbreitet. Im Rahmen der Handlung werden viele Planeten der Konföderation vorgestellt und detailliert geschildert. Stellenweise erreicht der Autor dabei eine wirklich beeindruckende Intensität.
Allerdings wechselt Bordage mit jedem Kapitel sowohl den Ort der Handlung, als auch den Protagonisten, so dass sich der Leser erst zur Mitte des Buches hin wirklich einigermaßen innerhalb der Geschichte orientieren kann. Dadurch gestaltet sich das Lesen relativ schwerfällig, und die Spannung, die der Plot sicherlich hergegeben hätte, bleibt leider völlig auf der Strecke.
Was zudem ziemlich schwer im Magen liegt, ist der übertriebene Mystizismus, den Bordage in die Geschichte eingeflochten hat. Was bei „Star Wars“ filmisch mit den Jedi-Rittern vielleicht einigermaßen funktioniert hat, reißt „Die Krieger der Stille“ leider ziemlich in die Mittelmäßigkeit. Dass der Reisebüroangestellte Tixu Oty, der sich in der zweiten Hälfte des Buches überhaupt erst als Hauptcharakter herauskristallisiert, zunächst vom Echsengott des Planeten Zwei-Jahreszeiten ausgewählt wird, dann den „Klang der Stille“ von der auf der Flucht befindlichen Tochter eines prominenten Kriegers verliehen bekommt, später auf dem Planeten Selp Dik von irgendwelchen mythisch verbrämten Meeressäugern als der Auserwählte gerettet und schließlich auf der alten Erde als Heilsbringer erwartet wird, wirkt furchtbar beliebig und konstruiert.
Nicht sonderlich originell und in der Detailliertheit der Beschreibung abstoßend ist leider auch, dass die ziemlich katholisch wirkende „Kirche des Kreuzes“ selbstverständlich aus pädophilen Priestern besteht, die meisten Herrscher der Konföderation natürlich einen kompromittierten, ungeliebten Verwandten haben, der nach dessen Macht und außerdem nach dessen Frau strebt und auch prinzipiell über den ganzen Roman Frauen auch gerne mal vergewaltigt werden, wenn sie nicht zu Willen sind.
Insgesamt lässt einen „Die Krieger der Stille“ nach immerhin über 750 Seiten ziemlich unbefriedigt zurück. Zum einen wird man als Leser die ganze Zeit das Gefühl nicht los, der Autor habe beim Schreiben Dan Simmons „Hyperion“-Romane im Hinterkopf gehabt. Außerdem werden viele Fragen aufgeworfen und wenige davon bis zum Ende beantwortet. Das mag im Auftaktband zu einer Trilogie an sich legitim sein, dennoch wirkt „Die Krieger der Stille“ dadurch sehr unfertig. Unter dem Strich ein eher durchwachsenes Debüt auf dem deutschen Markt, nach dessen Lektüre sich der Erfolg von Pierre Bordage in Frankreich dem Verständnis weitgehend entzieht.
Pierre Bordage „Die Krieger der Stille“
Originaltitel „Les guerriers du silence“
Übersetzung von Ingeborg Ebel
Roman, Heyne-Verlag, München 2007
Paperback, 752 Seiten
ISBN: 978-3-453-53050-8, 15 Euro
04 November 2008
Sie waren Helden...
Als damals knapp zwölfjähriger Steppke faszinierte mich zuallererst das Cover: Unter dem Logoschriftzug der Band sah man ein große, düsteres Feld mit weißen namenlosen Grabkreuzen; im Hintergrund schwebten zwei Hände im Himmel, von denen die Fäden eines Puppenspielers in das Gräberfeld hinabhingen. Als mein Bruder die Platte auflegte und mit einem gehörigen Stampfen eine für mich damals höllisch laute, aber unglaublicherweise extrem gefällige und melodiöse Musik aus den Boxen quoll, war es um mich geschehen.
Der Titel der Platte: Master Of Puppets. Der Name der Band: Metallica.
Für jemanden wie mich, dessen musikalischer Horizont damals nicht über David Bowie, Meat Loaf und Marillion hinausging, war “Master Of Puppets” eine Offenbarung. Die Platte bot alle Trademarks, die man heute als klassischen “Bay-Area-Trash-Metal” bezeichnet: es war schnell, es war laut, es war kompromißlos und es fehlte trotzdem nicht an Eingängigkeit. Die Texte (die ich damals ehrlich gesagt nur rudimentär wahrgenommen und verstanden habe) drehten sich laut der geduldigen Erklärungen meines Bruders um Kriegstreiberei, religiösen Fanatismus und Monster. Na damit konnte man sich doch gut identifizieren!
Ich zog mir die Platte damals auf Tape und hörte sie den lieben langen Tag (wann immer es halt möglich war) rauf und runter. Noch heute kann ich die Platte komplett aus dem Eff-Eff mitsingen.
Es kam, wie es kommen musste - nach der “Master Of Puppets” mußte Nachschub her. Es folgten erstmal (wenn ich mich recht erinnere) “South Of Heaven” von Slayer, “The Legacy” von Testament und “So far, So good, So what?” von Megadeth. Und außerdem natürlich die beiden Vorgängeralben von “Master Of Puppets”, das Metallica-Debüt “Kill ‘em all” und “Ride The Lightning”. Der Thrash-Metal hatte mich endgültig in seinen Fängen.
Schließlich lieferten Metallica mit “…And Justice For All” 1988 ihr absolutes Meisterstück ab (es gibt eine Menge Musik-Fachleute, die der Meinung sind, dies sei schon “Master Of Puppets” gewesen - ich bin anderer Meinung, werde mich da aber bestimmt nicht streiten) und feierten mit dem auf dem Film “Johnny Got His Gun” (bzw. der dem Film zugrunde liegenden Novelle von Dalton Trumbo) basierenden Anti-Kriegssong “One” ihren ersten großen kommerziellen Erfolg.
Wenn es jemals in meinem Leben jemanden gab, der dem Status “persönliche Helden” nahe kam, dann waren das Metallica zu just diesem Zeitpunkt.
Drei Jahre später schließlich begann - zumindest von meinem Standpunkt aus - der Niedergang meiner Helden mit der Veröffentlichung des sogenannten “Black Albums”. Zwar sind einige ziemlich amtliche Songs darauf, aber man kann nicht wegdiskutieren, dass diese Platte vor allem eins war: Kommerziell. Und das ging gar nicht.
Die Herrschaften verdienten nun richtig - ich meine: RICHTIG - Kohle und verhielten sich auch so. Drummer Lars Ulrich schwebte gar in völlig überirdischen Gefilden und bezeichnete sich selbst und Gitarrist/Sänger James Hetfield in einem Interview als die “Lennon/McCartney des Heavy Metal”. Naja.
Der Niedergang setzte sich dann leider in den darauf folgenden Jahren fort: Mit “Load” (1996) und “Reload” (1997) trieben sie die Kommerzialität und leider auch die Belanglosigkeit auf die Spitze. Zwar folgte mit “S&M” 1999 ein ziemlich gutes Live-Album, das Metallica zusammen mit einem Symphonie-Orchester aufnahmen, doch “S&M” zehrte natürlich hauptsächlich von altem Songmaterial.
Tiefpunkt dieser Entwicklung war die Veröffentlichung von “St.Anger”im Jahr 2003. Die Songs sind zwar wieder deutlich roher und bieten ein paar Highlights. Von der kompositorischen Warte aus gesehen ist “St.Anger” aber nur als minderwertig zu bezeichnen, und der Sound der Platte ist ein völliges Desaster. Die Entstehung dieses Albums wurde von Metallica in dem Film “Some Kind Of Monster” dokumentiert, die die Band vor allem als eines präsentiert: völlig selbstverliebte und mit sich selbst beschäftigte Rockstar-Pussies, die über all ihrem Geld vergessen haben, wie man gute Songs schreibt.
Kommen wir jetzt mal zum Grund für diesen Blogeintrag. Jüngst veröffentlichten Metallica nun ihr neues Album “Death Magnetic”. Mit viel Tam-Tam und gehörigem Werbeaufwand (z.B. exklusive Videos, Interviews und Vorabversionen einiger Songs auf der geschützten Internet-Site “Mission Metallica”, bei der der Zugang freilich kostenpflichtig war) versprach man vollmundig die Rückkehr zum Thrash-Metal. Meine Erwartungen waren groß, meine Hoffnung eher klein.
“Death Magnetic” besticht sicherlich durch einen Sound, der wieder deutlich härter ist und sich irgendwo zwischen “Master Of Puppets” und “…And Justice For All” bewegt. Zwar sind die Songs deutlich zu basslastig und laut abgemischt, das ist aber nicht weiter schlimm. Es gibt eine Handvoll Songs, die relativ gut sind (”My Apocalypse”, “The Judas Kiss”), einige mittelprächtige (”The Day That Never Comes”) und einige, die man leider nur als kompositorischen Bodensatz bezeichnen kann (”The Unforgiven III” [schon Teil II war völlig unnötig], “Suicide & Redemption”).
Immerhin: Die Stücke sind wieder deutlich länger, break- und riffbetonter und verströmen nicht mehr den kommerziell faden Beigeschmack wie die letzten Platten. Es ist immerhin ein Anfang und es geht in die richtige Richtung. Vielleicht wird ja die nächste Scheibe wieder ein richtiger Kracher - wenn ich auch zugeben muß, dass bei Metallica in den letzten 17 Jahren das Prinzip Hoffnung ja leider eher nicht angebracht war.
Wo ich allerdings nach wie vor ein Problem mit Metallica habe, ist die kommerzielle Ausschlachtung. Natürlich gönne ich einem Künstler sein Entgeld für die von ihm erbrachte Leistung. Dennoch: die bereits weiter oben bereits angerissene Bewerbungspraxis, für ein paar Video-Schnipsel und Vorab-Auditions im Netz Geld zu verlangen, vor der Album-Veröffentlichung als “exklusiv” angebotene Box-Sets von “Death Magnetic”, die jetzt unlimitiert im freien Handel landen, sowie die exorbitant teuren Tickets für die im nächsten Jahr stattfindende Europa-Tour (in Deutschland zwischen 150 und 250 Euronen je Ticket, im Rest Europas teilweise bis 350 Euronen für einen Stehplatz(!) ) hinterlassen einen mehr als faden Beigeschmack.
Echter Rock ‘n’ Roll geht meines Erachtens nach anders.
13 Oktober 2008
Man muss ja froh sein...
Obwohl ich derzeit in Elternzeit bin und quasi hauptberuflich meinen kleinen Sohn Joshua betreue (und eben das bißchen Haushalt, hüstel), habe ich meine Stundenanzahl in der Klappse nur reduziert und muss daher ab und zu auch mal an die Arbeit. Das sind mit Teilzeitstelle natürlich gerne die von den Kollegen ungeliebten Nachtdienste.
Nach einem dieser Nachtdienste begab es sich jüngst, dass ich wie meistens zwischen Nachhausekommen und Schlafengehen, nochmal eine Runde mit unserem Hund Frank durch die Felder machte. Es nieselte, alles war kalt und grau.
Ich rauchte gemütlich eine Zigarette (die geschätzt dreißgste der letzten 12 Stunden), scheuchte den Hund hinter seinem Ball her und stapfte völlig übermüdet und fertig vor mich hin. Plötzlich erkannte ich in einiger Entfernung, dass mir auf dem Weg jemand entgegen kam.
Mir schwante Übles, und so kam es dann auch: meine Nachbarin Frau A. machte ebenfalls einen Spaziergang mit dem Hund. Dazu muss man wissen, dass Frau A. zwar prinzipiell eigentlich ganz nett ist. Sie ist allerdings auch eine deutlich in die Jahre gekommene Eso-Tante, die in längeren Gesprächen sehr anstrengend sein kann. Mit buntem Stirnband und Poncho, bietet die alte Dame nicht nur einen skurrilen Anblick.
Wir kamen uns also auf diesem Feldweg entgegen. Am liebsten hätte ich mich umgedreht und wäre weggelaufen. Ich hatte in der vergangenen Nacht genug Psychogequatsche gehört und selbst von mir gegeben. Ich wollte nur noch Feierabend machen und ins Bett. Bitte keine Kommunikation mehr. Bitte. Aber daraus wurde natürlich nichts.
Nach dem obligatorischen "Guten Morgen" (von meiner Seite aus eher gequetscht und leidend ausgestossen) fing Frau A. auch schon an, mir eine Gespräch aufzuzwingen:
"Naaaa, schmeckt denn das Zigarettchen? Ist das die Erste heute morgen?" Jovial grinst sie mich an. Uaaah! Was geht die denn an, die wievielte Kippe das ist?
"Nee, das ist die hoffentlich letzte für heute. Ich hatte Nachtdienst und gehe gleich ins Bett." Meine Hoffnung, dass sie den Wink mit dem Zaunpfahl versteht und mich in Ruhe läßt, wurde natürlich nicht erfüllt.
"Oh Sie Armer!" Ein mitfühlender Ausdruckerschien in ihrem Gesicht. "Wo arbeiten Sie denn bloß?"
"Ich bin Krankenpfleger im Ludwig-Noll-Krankenhaus in Kassel." Aus dieser Nummer kam ich wohl so leicht nicht wieder raus.
Ihre Stirn zog sich hinter ihrem fliederfarbenen Stirnband nachdenklich kraus. "Diese Einrichtung kenne ich gar nicht... Was ist denn das für eine Klinik?"
"Akut-Psychiatrie."
Entsetzen und ein Anflug von Bitte-beiß-mich-nicht-oder-schlimmeres blitzte in Frau A.s Augen auf und dann sagte sie den denkwürdigen Satz, wegen dem ich das hier alles aufschreibe: "Achja ((seufzt)). Heutzutage muß man ja froh sein, wenn man überhaupt Arbeit hat."
Während dieser Satz sich langsam durch den Gehörgang in mein völlig übermüdetes Hirn wand, glaubte ich, zusammenbrechen zu müssen. Gaaaaaanz ruhig, Hilscher.
"Eigentlich mag ich meine Arbeit ganz gern. Ich..."
Aber das wollte sie schon gar nicht mehr hören. Plötzlich schien sie es eilig zu haben. "Ich wünsche ihnen auf jeden Fall viel Kraft für ihre Arbeit. Tschüs!"
Und weg war sie. Auch ich stapfte weiter. Nach ein paar Augenblicken konnte ich mich nicht mehr zurückhalten. Ich fing erst an zu kichern, um dann mitten im Feld laut loszuprusten. Also wirklich: was bin ich nur für eine arme Sau, dass ich in der Klapsmühle arbeiten muss...
21 Juli 2007
Hermann Göring ist schuld
Ich ärgere mich jedes Jahr aufs Neue: kaum ist in meinem Garten das Obst reif - egal ob Kirschen, Äpfel, Mirabellen oder Stachelbeeren - kommen über Nacht die verfluchten Waschbären und fressen mir den ganzen Baum leer.
Ich hatte schon immer im Hinterkopf, dass die Scheißviecher eigentlich nicht in Europa heimisch waren und irgendwann eingeschleppt wurden. Die genaue Geschichte erfuhr ich jetzt aber erst durch die Online-Ausgabe der altehrwürdigen Washington Post, die über Kassel, "Europas Hauptstadt der Waschbären", berichtete. Launig wird unter dem Titel "From Nazi Past, a Proliferating Pest" die Geschichte der Verbreitung der "Nazi raccoons" (dt. "Nazi-Waschbären") erzählt.
1934 hat Hermann Goering, hauptberuflich bekanntermassen Nazi-Arschloch, nebenbei aber auch "Reichsjagdmeister", zwei Pärchen nordamerikanischer Waschbären importiert. Offiziell um "die deutsche Fauna zu bereichern", inoffiziell, um einen schönen Pelzlieferanten zu haben. Diese beiden Pärchen wurden freundlicherweise am Edersee ausgesetzt, einem Stausee, der etwa 15 Kilometer von meinem Zuhause und circa 35 Kilometer von Kassel entfernt liegt.
Bar jedes natürlichen Feindes auf diesem Kontinent (schließlich waren Wölfe, Waldkatzen und Bären - alle mal in unseren Breiten heimisch - bereits damals längst vertrieben oder ausgerottet) haben die possierlichen Dreckteile sich vermehrt wie die Karnickel. Man geht für Gesamtdeutschland inzwischen von einem Bestand von über einer Million Exemplaren aus, wieviel im restlichen Europa leben, kann man noch nicht mal schätzen. Auf jeden Fall richten die Biester jedes Jahr Millionenschäden an, indem sie Dachisolierungen zerlegen, die Dachstühle und Abwasserkanäle ganzer Strassenzüge übernehmen, Mülleimer plündern oder schlichtweg ganze Obst- und Gemüseplantagen leerfressen.
Um aber auf den Grund meiner Empörung zurück zu kommmen: ich fand Hermann Goering schon in der 5.Klasse im gymnasialen Geschichtsunterricht echt richtig scheiße (von den anderen Nazi-Bratzen natürlich ganz zu schweigen). Dass dieser dumme arische Wichser aber auch noch dafür verantwortlich ist, dass mir jedes Jahr die Mirabellen vom Baum geklaut werden, schlägt dem Fass wirklich den Boden aus.
Quelllink: http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2007/05/25/AR2007052502272_pf.html

